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Wissenschaft im öffentlichen Raum

6. April 2017

Ein Rückblick

Noch immer blicken wir begeistert zurück auf unsere Tagung "Wissenschaft im öffentlichen Raum" im März. Wir haben uns sehr über die spannenden Vorträge, anregenden Diskussionen und inspirierenden Begegnungen gefreut.


Wie wird Wissenschaft heute in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Wie wird ihre Stellung in der Öffentlichkeit gesehen? Wie kann man Wissenschaft adäquat und authentisch für eine weitere Öffentlichkeit aufbereiten?
Das sind wichtige und spannende Fragen, die wir am 17. März mit rund 150 TeilnehmerInnen im Rahmen unserer Tagung "Wissenschaft im öffentlichen Raum" diskutieren durften.

Wissen schaffen in Zeiten von Pegida. Fakten und Meinungen aus der Sicht eines ,Fernseh-Sisyphos"

Der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Prof. Dr. Harald Lesch eröffnete unsere Tagung mit einem Vortrag zu der Frage, wie Wissen in Zeiten von Pegida geschaffen wird. Darin gab er unterhaltsam Einblicke in den Redaktionsalltag und berichtete von der Herausforderung, Forschung im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, Informationen zu präsentieren, Geschichten zu erzählen und mit ihr zu begeistern - kein leichtes Unterfangen, wenn alternativen Fakten und Fake-News Hochkonjunktur haben. „Die Einen haben Ahnung, die anderen Meinung. Was wir hier gerade tun, kommt einer konspirativen Sitzung gleich“, so Lesch augenzwinkernd. Besorgt beobachtet der Astrophysiker wie das Vertrauen in die Wissenschaft abnimmt. Die wissenschaftsfeindlich eingestellten politischen Strömungen versteht er als Angriff auf die „Insel der Vernunft“. Lesch appeliert: „Wir sollten uns nicht höflich zurückhalten. Gehen Sie in die Öffentlichkeit!“ Die steigenden Teilnehmerzahlen des Schülerlabors versteht er als „ein Zeichen der Hoffnung“.

Lernsetting Museum: Wissen vermitteln durch authentische Objekte?

Als nächstes nahm Prof. Dr. Stephan Schwan die TagungsteilnehmerInnen mit auf die spannende Reise ins Museum und damit an einen anderen Ort der Wissensvermittlung. Wie auch im Schülerlabor versuche man im Museum authentisch, und damit „wirklichkeitsnah“, „unvermittelt“ und „original“ Wissenschaft zu vermitteln. Neben einer Vielzahl an Präsentationsformen, würden die authentischen Exponate aus den Sammlungen der Museen den Kern der Vermittlungspraxis bilden. Die Rolle der Authentizität für die Wissensvermittlung sei daher auch in den Fokus empirischer Forschung gerückt. In seinem Vortrag gab Schwan einen Überblick über aktuelle Forschungsbefunde: Wie werden authentische Exponate von Besuchern wahrgenommen und bewertet? Kopie oder Original: spielt das eine Rolle? Ersten Studien zufolge, so Schwan, seien das Erscheinungsbild des Objektes, die Erkenntnismöglichkeiten und der persönliche Bezug zum Objekt viel wichtiger als die Authentizität. Und welchen Einfluss haben authentische Exponate auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis und damit auf die Lernprozesse der Besucher? Schwan hat herausgefunden: „Authentische Objekte können in der Wissenschaftsvermittlung förderlich sein, aber die Besucher akzeptieren die Vielfalt an Präsentationsformen.“

Was Verlage leisten?!

Im ihrem Vortrag „Was Verlage leisten?!“ gab Dr. Eva E. Wille, Vizepräsidentin bei Wiley VCH/Weinheim, Einblicke in ihre Tätigkeit in einem Wissenschaftsverlag. Wille weiß um die vielen Herausforderungen, denen sich der Verlag heute stellen muss: Noch nie gab es so viele Forscher auf der Welt wie heute. Noch nie wurde so viel publiziert wie heute. Noch nie waren Forschungsförderer so sehr an ROI (Return on Investment) ihrer Investitionen interessiert. Noch nie war die Forschung so interdisziplinär und so wettbewerbsorientiert wie heute. In ihrem Vortrag stellte sie den Verlag als komplexes dynamisches System vor und zeigte anhand von Beispielen, an welchen Stellen Verlage wirken, um die Arbeit der ForscherInnen für die Gesellschaft zu unterstützen.

Die Natur der Naturwissenschaften verstehen. Fachdidaktische Argumente.

Nach der Mittagspause referierte Prof. Dr. Christiane Reiners (Chemiedidaktik/Universität Köln) zum Thema "Die Natur der Naturwissenschaften verstehen". Die Fachdidaktikerin wehrte sich darin gegen die Darstellung der Naturwissenschaften im Unterricht als fixierte, algorithmische Prozesse und gegen Kochbuch-Rezezpte als Versuchsanleitungen. Reiners plädierte in ihrem Vortrag für eine „experimentelle Ausbildung i.S. des Forschenden Lernes“, wie es u.a. im Schülerlabor umgesetzt wird. Sie lobte: „Im Schülerlabor stehen nicht nur die Phänomene im Vordergrund, sondern die Erklärungsversuche, die Forschung. Das ist von unschätzbarem Wert. Hier geht es darum Dinge erfassbar, erlebbar zu machen“. Reiners betonte außerdem, wie wichtig es sei, den Dialog zwischen Fachdidaktik und Fachwissenschaft zu stärken, wissenschaftstheoretische Grundlagen kontextualisiert hinzu zubeziehen und eine Reflexion über das Tun anzuregen.

Wissenschaft im Griff von Wirtschaft und Politik? Kommerzialisierung, Politisierung und Erkenntnisanspruch.

Wissenschaftsphilosoph und Leibniz-Preisträger Prof. Dr. Martin Carrier rundete das Programm mit seinem Vortrag über die Auswirkungen von Kommerzialisierung und Politisierung auf Wissenschaft und Forschung ab. Er referierte über die unterschiedlichen Ausrichtungen von Wissenschaft (markt/praxisorientierte Forschung, erkenntnisorientierte Forschung und Wissenschaft im öffentlichen Interesse) und stellte ihre Unterschiede, Vor- und Nachteile heraus. Carrier sieht ein Problem in der „einseitigen Ausrichtung der Forschungsagenda, die oft nicht mit der ethisch begründeten Vorstellung im Einklang steht, dass Wissenschaft dem Gemeinwohl dient.“ Und kommt zu dem Schluss: „Wissenschaft kann auch im Griff der Wirtschaft ihren Erkenntnisanspruch bewahren, wenn sie sich diversifiziert und ergänzend auf Forschung im öffentlichen Interesse und auf erkenntnisorienteire Forschung setzt.“
Wie Harald Lesch appellierte er an das Plenum: „Die Öffentlichkeit ist aufgerufen dafür Sorge zu tragen, dass Wissenschaft zum Nutzen aller ihren Stellenwert behält oder zurückgewinnt. Wissenschaft muss in der Lage bleiben unbequeme Wahrheiten aufzudecken. Wissenschaft braucht das Recht nicht kundenfreundlich zu sein.“ Und erntete damit Beifall.

Kaffeepause im Schülerlabor

Im Anschluss an die Vorträge besuchten die TeilnehmerInnen die beiden Bereiche (GG und MINT) des Schülerlabors. Im Austausch mit ProjektleiterInnen erhielten sie Einblicke in aktuelle Schülerlabor-Projekte.

IMPRESSIONEN